Neues Berufsbild:
 Der digitale Integrator 
im Unternehmen

Im Zuge der Digitalisierung kommen auf die Unternehmen und Organisationen eine Menge Veränderungen zu: für die Konsumenten werden sie transparenter, bestehende Abläufe können digital komplett ersetzt werden, ganze Geschäftsmodelle stehen infrage und komplett neue Modelle entstehen wiederum. Im Zug dieser Veränderung entstehen neue Jobs und Rollen, die in den Unternehmen diesen Wandel begleiten.
Eine dieser Rollen wird der digitale Integrator sein: ein unabhängiger Mitarbeiter im Unternehmen, der als Community Manager die Vernetzung zum Thema Digitalisierung nach außen und innen sicherstellt.

Problemstellung

Die meisten Unternehmen sind für die Herausforderung der Digitalisierung nur ungenügend gerüstet:

  1. Wissen – den Unternehmen sind die modernen Methoden bzw. deren Verwendung wie Business Model Canvas, Lean StartUp, Digital Innovation Model etc. nicht bekannt.
  2. Silo-denken – verschiedene Abteilungen arbeiten an gleichen Problemstellungen, ohne dass diese davon wissen, geschweige dem kooperieren.
  3. Mangelnder Fokus – es wird sich zu wenig Zeit genommen, die Herausforderung und Chancen der Digitalisierung zu durchdenken und abteilungsübergreifend an Lösungen zu arbeiten.
  4. Closed mind – in der Welt außerhalb des Unternehmens gibt es genügend Beispiele, von denen sich schnell lernen ließe. Nur sind diese nicht bekannt oder werden nicht ernst genommen.

Das Problem der Digitalisierung ist weniger technischer Natur, sondern viel mehr ein Management- und Führungsproblem. Digitalisierung ist kein Add-on, das man hinzukauft, denn sie stellt Unternehmen bis ins Mark infrage. Daraus lässt sich ableiten, dass sich Unternehmen gezielt nach außen öffnen und intern eine stärkere Vernetzung der Abteilungen vorantreiben müssen.

Die Rolle des Digitalen Integrators

Er, bzw. sie, übernimmt die Rolle des Community-Managers zur Digitalisierung einer Abteilung oder eines Unternehmens. Er unterstützt dabei gezielt die Vernetzung zwischen den einzelnen Akteuren im Unternehmen. Es ist sogar von Vorteil, wenn dieser Integrator zunächst nur in einer Abteilung wie im Vertrieb auszuprobieren. Das Unternehmen kann dann erste Erfahrungen und Erfolge vorweisen und das Konzept ggf. auf weitere Bereiche oder das ganze Unternehmen übertragen.

Seine Aufgabe ist es, die Digitalisierung zu verstehen, den Austausch von Wissen mit dem Umfeld und anderen Unternehmen zu unterstützen und die Potenziale und Methoden der Digitalisierung im Auftrag des Unternehmens zu erlernen. Im Anschluss kann er die Erfahrungen und das Wissen dem Unternehmen zur Verfügung stellen und Führungskräften und Mitarbeitern vermitteln. Man könnte ihn daher auch als digitalen Scout im Auftrag des Unternehmens bezeichnen.

Eine wichtige Rahmenbedingung ist dabei, dass dieser Kollege / diese Kollegin vom operativen Geschäft freigestellt ist und direkt der Führungskraft der Abteilung oder der Geschäftsführung unterstellt wird. Von der Hierarchie wäre er idealerweise dem Vorstand oder der obersten Führungskraft der jeweiligen Abteilung zugeordnet und kann für Fachthemen auch eine Weisungsbefugnis übertragen bekommen. Wichtig ist, dass er nicht die Aufgaben der Führungskräfte ersetzt, sondern diese als Netzwerkmanager unterstützt.

Wie unterstützt der digitale Integrator ein Unternehmen?

1. Die Intelligenz des Gesamtsystems vorantreiben

Laut Prof. Peter Kruse entsteht ein intelligentes System durch Vernetzung, Erregung und Bewertung. Die Idee eines vernetzten Unternehmens besteht darin, dass die vernetzten Mitarbeiter eine Art Schwarmintelligenz aufbauen: Die Intelligenz des Unternehmens ist vernetzt größer, als die Summe der Einzelnen.

Der digitale Integrator kann ganz wesentlich an den drei Ebenen dieses Intelligenzaufbaus wirken.

  1. „Vernetzung“ der Akteure: Der digitale Integrator öffnet das Unternehmen nach außen und schaut sich andere Unternehmen wie z. B. Fintech-Unternehmen an. Er ist der Vernetzer zwischen allen Beteiligten, kennt alle Bedenken und Motivationen der Akteure und weiß wer und was mit wem verknüpft werden muss.
  2. „Erregung“ durch Information: Er holt neues strategisches Wissen ins Unternehmen, schaut sich Best Practice Projekte an und kommt mit neuen Ideen. Er bietet dem Unternehmen damit strategisch wichtige Informationen, die übernommen werden können.
  3. „Bewertung“ durch die Beteiligten: In der Digitalisierung gilt es, die Lernzyklen zu verkürzen. Der digitale Integrator kann mit neuen Methoden wie Kanban auf Projektebene oder das Digital Innovation Model helfen, in Gruppen kluge Entscheidungen zu treffen. Hier geht es nicht um die Schwarmdummheit, die aktuell Gunter Dück zu recht kritisiert, sondern nach bestimmten Bewertungsmaßstäben Informationen zu bewerten.

2. Die dringend notwendige Vernetzung zwischen den Akteuren herstellen

Neue Abläufe, Projekte und Innovationen brauchen Akzeptanz. Denn Mitarbeiter und eine Organisation müssen sich an neue Abläufe gewöhnen. Sobald Innovationen an den Mitarbeitern vorbei durchgesetzt werden, werden die Ziele schwer zu erreichen sein. Hier kommt das Prinzip der inneren Kohärenz von Antonovsky ins Spiel. Es beschreibt, dass aus den drei Stellschrauben Sinn, Verständnis & Umsetzbarkeit,  ein Mensch oder eine Organisation ins Handeln kommt.

Dafür müssen drei Aspekte erfüllt werden:

  1. Die Chancen und Ziele des Projekts müssen für alle Betroffenen Sinn ergeben.
  2. Die Funktionsweise und Abläufe dahinter müssen für alle Betroffenen verständlich sein.
  3. Die Ziele des Projekts müssen für die Beteiligten realistisch umsetzbar sein.

Bei der Digitalisierung muss ein Unternehmen bestehende Prozesse und gelerntes Verhalten verlassen. Genau aus diesem Grund ist das Prinzip von Antonovsky ein interessanter Lösungsansatz. Der digitale Integrator vermittelt als \"Übersetzer\" sowohl Führungskräften als auch Mitarbeitern das Thema Digitalisierung und macht die Abläufe und Mechanismen verständlich. Als digitales \"Kompetenzzentrum\" kann er den Menschen erklären, was passiert, kann Ängste abbauen und neue Prinzipien erklären.

Wenn der Digitale Integrator die Potenziale vermittelt, die mit der Digitalisierung für die Menschen einhergehen, kann er allen Beteiligten auch den Sinn näher bringen. Die Menschen erachten dann gewisse Aspekte der Digitalisierung für nützlich und entdecken sinnvolle Potentiale.

Zuletzt kann er mit den anderswo kennengelernten Methoden und Lösungsmechanismen die Umsetzbarkeit unterstützen. Beispielsweise sind im Lean StartUp-Bereich wichtige Ansätze zu finden, die auch für Großkonzerne geeignet sind: Kleine Projekte durchführen, lernen und messen. Diese reduzieren die Projektdimensionen auf ein praktikables Maß und erleichtern die Umsetzbarkeit.

Welche Kompetenzen muss der digitale Integrator mitbringen?

Der digitale Integrator ist Vorbild der Digitalisierung, Motivator und Kommunikator im Unternehmen. Das sich daraus ergebende Kompetenzprofil ist herausfordernd und umfangreich. Der digitale Integrator:

  • hat eine starke Affinität zum Thema Digitalisierung,
  • zählt zu den Innovatoren im Unternehmen,
  • ist aufgeschlossenen und hat die Idee des lebenslangen Lernens verinnerlicht,
  • ist empathisch und hat ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeiten,
  • ist beharrlich, zielsicher und durchsetzungsstark,
  • arbeitet selbstständig,
  • und kann Informationen sehr gut für verschiedene Zielgruppen aufbereiten.

Fachspezialisten sind eindeutig weniger geeignet für diese Position als Personen mit einer hohen Vielfalt an Erfahrungen. Optimalerweise ist der digitale Integrator ein sogenannter Hybridarbeiter, der bereits in verschiedenen Bereichen tätig war, eine Vielzahl an Fähigkeiten mitbringt und damit abteilungsübergreifend und interdisziplinär denkt. Ein Beispiel für solch eine Hybridarbeiterin ist die CIO der Amsterdamer Verkehrsbetriebe GVB. Caecilia Groot hat in ihrer bisher 23-jährigen Karriere als Kulturmanagerin und Finanzberaterin sowie in verschiedenen Managementpositionen im Transportwesen gearbeitet, bevor sie 2013 zum Head of IKT & Innovation bei der GVB berufen wurde. Als Fachfremde konnte sie das Thema IT und Digitalisierung innerhalb des Unternehmens sehr wirksam kommunizieren und umsetzen.

Fazit

Unternehmen benötigen eine designierte Stabstelle des digitalen Integrators, die sich ausschließlich um die Vernetzung zur Digitalisierung innerhalb und außerhalb des Unternehmens kümmert. Die Anforderungen an eine solche Stelle sind sowohl für den digitalen Integrator wie auch für die Organisation anspruchsvoll.
Der Integrator muss als Einzelkämpfer die Vernetzung der oft abgegrenzten Abteilungssilos vorantreiben, zwischen allen Fronten vermitteln und ein effizientes Informationsmanagement im Unternehmen etablieren.
Die Organisation wiederum muss sich darauf einlassen, dass der Integrator hinterfragt und ggf. andere Lösungswege aufzeigen kann. Visualisierungswerkzeuge wie Business Model Canvas oder Digital Innovation Model können hier allen Beteiligten bei der Kommunikation helfen.
Wer jedoch nicht zu den 40 % der Unternehmen gehören will, die laut einer Studie des Global Center for Digital Business Transformation (DBT Center) im Zuge der Digitalisierung in ein paar Jahren nicht mehr existieren werden, wird um eine solche Neustrukturierung seines Unternehmens nicht herumkommen.

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