Sechs Klicks bis Eisleben

Artikel von Alexander Schierholz aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 27. Januar 2015

Unübersichtlich, umständlich zu bedienen: Ticketautomaten schrecken häufig ab. Nun will der Bahn-Konkurrent Abellio alles besser machen. Ein Test.

Fahrkartenautomaten sind für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Wenn sie nicht defekt sind, dann verwirren sie mit ihrer Menüführung, nehmen keine Scheine an oder geben zwei Euro in Fünf-Cent-Münzen raus. Kein Wunder, dass sich vor allem Gelegenheits-Bahnfahrer und ältere Menschen häufig abgeschreckt fühlen. Abellio will das nun ändern. Das private Bahnunternehmen, das ab Dezember dieses Jahres Strecken von Halle aus Richtung Sangerhausen, Kassel, Erfurt und Eisenach betreibt, hat sich zum Ziel gesetzt, den „bedienerfreundlichsten Ticketautomaten Deutschlands“ zu entwickeln. In Erfurt, neben Halle künftig einer der Knotenpunkte des Abellio-Netzes, wurde gestern ein erster Prototyp vorgestellt. Gelegenheit für einen Test und Vergleich mit Deutsche-Bahn-Automaten.

Der Neue

Schick sieht der Automat aus, in dunklem Grau, rot abgesetzt. Der Kasten mitten im Erfurter Hauptbahnhof ist nur eine Attrappe und spuckt keine Tickets aus. Lediglich der Bildschirm und die Software funktionieren. Und darum geht es. Die Wahl fällt auf die Strecke Erfurt-Eisleben - sicher nicht die am häufigsten genutzte Verbindung zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber im Rechner hinterlegt. Der Prototyp hat noch nicht alle Strecken parat. Weitere Voraussetzungen: Ein Fahrrad muss mit. Und eine Bahncard 50, die auch Abellio anerkennen will, sorgt für einen günstigeren Preis. Was auffällt: Die Eingabemaske erinnert an die Startseite von Google. Muss dort ein Suchwort eingegeben werden, ist es hier der Zielort. Der Abfahrtsbahnhof ist vorgegeben, kann aber geändert werden. Dann dauert es nur ein paar Klicks bis zur Fahrkarte, genau genommen: bis zu dem Punkt, an dem bezahlt werden müsste. In unserem Beispiel sind es exakt sechs Klicks, von der Zieleingabe bis zur Auswahl des passenden Zuges. Dauer: 24 Sekunden. Das hatte man sich länger vorgestellt. Abellio hat die Automaten nach Befragungen von Fahrgästen konstruieren lassen. „Wir haben gefragt, was die Leute wirklich brauchen“, sagt Stephan Preuss, Geschäftsführer des Leipziger Software-Entwicklers Handspiel (Anm. QUANTIC Digital). Das Ergebnis ist laut Preuss eindeutig: Herkömmliche Ticketautomaten - in der Regel die der Deutschen Bahn AG - seien viel zu überfrachtet. „Die Leute wollen viel weniger entscheiden müssen“, sagt Preuss. Laut Abellio bricht jeder vierte Nutzer den Kauf am Automaten ab, weil er zu kompliziert erscheint. Kein Wunder angesichts des Dickichts von Nahverkehrstarifen in Deutschland. Jeder Verkehrsverbund hat eigene Regeln, und die Bahn noch einmal ganz andere.

Das Standard-Gerät

Man hat noch nirgends gedrückt, schon ist es kompliziert. Wo bei Abellio sofort das Fahrziel eingegeben werden kann, muss man sich bei den Automaten der Bahn zunächst zwischen vier verschiedenen Feldern entscheiden - Start-Ziel, Fahrplanauskunft, Sonderangebote, Verkehrsverbund. Wo klicken? Schon an dieser Hürde scheitern viele. In unserem Beispiel braucht man 59 Sekunden und 14 Klicks - dass die ersten drei Buchstaben eingegeben werden müssen, bis der Zielbahnhof „Eisleben“ im Auswahlmenü erscheint, ist da schon mitgezählt. Der Kauf dauert so lange, weil mehr Zwischenschritte bestätigt werden müssen. Und bloß gut, dass die Fahrradmitnahme in Regionalzügen in Sachsen-Anhalt und Thüringen kostenlos ist. Sonst bräuchte man jetzt noch extra eine Fahrradkarte. Die gibt es bei den Sonderangeboten, aber das muss man erst einmal wissen. An den Abellio-Automaten lassen sich Räder einfach dazubuchen.

Fazit

Die Automaten der Bahn sind schon viel benutzerfreundlicher als vor Jahren. Der Vergleich mit den neuen Geräten zeigt aber, dass noch Luft nach oben ist. Soweit sich das anhand eines Prototyps beurteilen lässt, erscheinen die Abellio-Automaten tatsächlich übersichtlicher und einfacher zu bedienen. Ob das so bleibt, muss sich ab Dezember im Alltagstest zeigen. Abellio hat 128 Exemplare bestellt, 50 davon für Züge, die übrigen für Bahnhöfe.

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