Arbeiten 4.0 - Die wichtigsten Stellschrauben der zukünftigen Arbeit

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Arbeiten 4.0 – darunter versteht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die neue Arbeitswelt, die sich aus dem Begriff der Industrie 4.0 begründet. Die zukünftige Arbeit wird (noch) vernetzter, digitaler und flexibler sein. Eins ist in diesem Zusammenhang sicher: Wie das Arbeiten 4.0 konkret aussehen wird, hängt von den Arbeitern und nicht von der Technologie ab.

Auf der Industrie 4.0-Konferenz 2018 richtete Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, einen Weckruf an alle Unternehmen, sich der digitalen Transformation zu öffnen. Damit einher geht auch die Beschäftigung mit der Frage, wie sich die Mitarbeiter ihren zukünftigen Arbeitsplatz vorstellen. Wer sich nicht rechtzeitig dieser Thematik öffnet, wird Mitarbeiter an modernere, mitarbeiterzentriertere Unternehmen verlieren.

Industrie 4.0 – Das Rahmenpaket der Arbeit

Produkte und Dienstleistungen haben durch die Integration von Informationstechnologien und deren Vernetzung neue Standards erreicht. Neue Technologien wie Smart Meter oder ganzheitliche Mobilitätskonzepte setzen Stadtwerke und den ÖPNV vor immer neue Herausforderungen.

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Gleichzeitig ist es neuen Mitbewerbern aufgrund der zunehmenden Globalisierung durch das Internet möglich, ihre Produkte und Dienstleistungen landes- und weltweit anzubieten. Energie, Personennahverkehr und weitere ehemals kommunale Dienstleistungen wurden plötzlich global. Diese schnellen Veränderungen des Marktes und der Kundenbedürfnisse gehen auf immer kürzer werdende Innovationszyklen neuer Produkte und neuer Märkte zurück, die zudem immer individueller auf den Kunden zugeschnitten sind. Zugleich kann sich der Kunde in den Wertschöpfungsprozess stärker einbringen und ist mehr gefragt.
Kommunale Unternehmen, die mit dieser Schnelligkeit nicht mehr mithalten können, geraten zunehmend in Bedrängnis und verlieren Kunden.

Doch stärkere Flexibilität, rasch voranschreitende technologische Fortschritt und effizienter Ressourceneinsatz – für all dies steht die Industrie 4.0.
Der Fortschritt allerdings ist nicht technologiegetrieben. Sondern zugführend sind Mitarbeiter, Führungskräfte, Querdenker – Menschen. Das heißt, die spannende Frage der Industrie 4.0 ist: Wie wirkt sie sich auf dem Arbeiten 4.0 aus?

Themen, wie u.a. die Quantität und Qualität der Arbeitsplätze, neue Arbeitsformen, Arbeitszeitmodelle, mobile Arbeit, Selbstbestimmung und Verlagerung der Verantwortung von der einzelnen Führungskraft auf die einzelnen Mitarbeiter, stehen im Mittelpunkt des Arbeiten 4.0. Spannend – vor allem auch für kommunale Unternehmen – wird in diesem Zusammenhang auch der Generationenwechsel von denen, die erst im Erwachsenalter mit modernen Technologien in Berührung gekommen sind, und denen, die mit diesen Technologien aufgewachsen sind. Wie unterscheiden sich deren Anforderungen an die Arbeitswelt bzw. gibt es überhaupt Unterschiede?

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Arbeiten 4.0 – Der Stand der Forschung

Die Forschung zum Thema Arbeiten 4.0 ist noch jung, doch in einigen Punkten sind sich die Wissenschaftler einig: Die Arbeit wird nicht den Menschen bestimmen, sondern der Mensch wird die Arbeit bestimmen. Und die Unternehmen, die den Mitarbeitern die besten Rahmenbedingungen schaffen, werden sich gegen ihre Konkurrenten durchsetzen.

Weiterhin wird einfache, monotone Arbeit immer mehr durch Maschinen übernommen und automatisiert werden. Parallel dazu rückt das Wissen immer stärker in den Vordergrund. Mitarbeiter werden in ihrem Teilgebiet zu Spezialisten und Experten. Universalexperten gehören der Vergangenheit an. Das rückt auch die Aufgaben der Führungskräfte in ein neues Licht, die ihre Mitarbeiter nicht mehr anleiten, sondern befähigen müssen.

Die Arbeit wird immer flexibler werden: Zum einen, da sich die Anforderungen der Kunden schneller ändern, zum anderen, weil sich auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter ändern, auf die besonderen Wert gelegt werden muss. Denn die spezialisierten Experten werden immer schwerer austauschbar und damit wertvoller für die Unternehmen sein.

Doch die zunehmende Komplexität und Automatisierung von Prozessen birgt auch Risiken, denen sich kommunale Unternehmen rechtzeitig bewusst werden müssen. Es besteht die Gefahr, Mitarbeiter abzuhängen, da Zusammenhänge nicht verstanden werden und das Gefühl aufkommt, zum Spielball in einem großen, undurchschaubaren System zu werden. Das mündet in Demotivation und Resignation. Auch das sind Herausforderungen, denen sich besonders Führungskräfte, aber auch Mitarbeiter, d.h. Kollegen, annehmen müssen.

Ein bedeutsames Stichwort in diesem Zusammenhang ist das agile Management, denn dem Risiko abgehängt zu werden, steht die große Chance des Arbeiten 4.0 gegenüber: die Erweiterung der Handlungskompetenzen der Mitarbeiter. Mitarbeiter werden in Zukunft mehr Autonomie einfordern und erleben, mehr Möglichkeiten der eigenen Gestaltung ihrer Arbeit haben und ihre Fähigkeiten gezielter und stärker einbringen und ausbauen können. Im psychologischen Sinne der Selbstbestimmungstheorie von Ryan und Deci (2008) wirkt sich dies positiv und nachhaltig auf die Arbeitsmotivation aus: Verhalten, welches autonom motiviert ist, besitzt eine höhere Qualität als fremdbestimmtes motiviertes Handeln und führt zur Ermutigung, weiterhin gute Leistung zu erbringen. Verstärktes Engagement und Steigerung der Arbeitsleistung sind die Folgen daraus.

Zusammenfassung

Das Arbeiten 4.0 wird sich für kommunale Unternehmen also aus drei wichtigen Punkten zusammensetzen:

  1. Mitarbeiterzentrierung
    Die Arbeiter werden die Arbeit bestimmen und nicht die Arbeit die Arbeiter. Mitarbeiter und Führungskräfte werden andere Anforderungen an ihre Arbeitswelt entwickeln. Diese gilt es zu erfassen und umzusetzen.
     
  2. Hochautomatisierung
    Monotone und einfache Arbeit wird zunehmend von Maschinen übernommen und automatisiert werden. Welche Folgen hat das für die Qualität und Quantität der Arbeit?
     
  3. Agile Führung zur Mitarbeiterbefähigung
    Führungskräfte sehen sich vor neue Aufgaben gestellt. Agiles Management und Mitarbeiterbefähigung werden in den Mittelpunkt gerückt.

Für kommunale Unternehmen gilt es, soweit noch nicht passiert, ihre Mitarbeiter ins Boot zu holen und gemeinsam mit ihnen die Anforderungen an ihre zukünftige Arbeitswelt zu erarbeiten und diese dann gemeinsam mit ihnen umzusetzen.

Ausblick

Wenn Sie sich gerade mit den Herausforderungen des Arbeiten 4.0 beschäftigen und dazu gern mit uns ins Gespräch kommen möchten, freuen wir uns über Ihre Nachricht. Zudem werden in Zukunft Veranstaltungen und Diskussionen zum Thema Arbeiten 4.0 stattfinden. Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, können Sie sich hier gern unverbindlich anmelden und wir senden Ihnen zu gegebener Zeit mehr Informationen zu.


 
 

Quellen

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2018). Arbeiten 4.0. https://www.arbeitenviernull.de/glossar.html [05.04.2018]

Edward L. Deci, & Richard M. Ryan (2008): Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, and Health, S. 183. In: Canadian Psychology 49, 182–185.

Hasso-Plattner-Institut (2018). Industrie 4.0-Konferenz 2018. https://hpi.de/veranstaltungen/hpi-veranstaltungen/2018/industrie-40-konferenz.html [05.04.2018]

Heike Wahl (2017). Zukunft der Arbeit. Friedrich-Schiller-Universität Jena.