Digital Leadership - Führung auf kurzer Distanz

Digital Leader, die Führungskräfte der Digitalisierung, entfachen die Diskussion um die Qualitäten einer guten Führung erneut. Was müssen Digital Leader anders machen als traditionelle Führungskräfte?

Digital Leader - per Definition eine Person, die ein Team leitet und die Stärken seines Teams strategisch einzusetzen weiß - alles mit Werkzeugen und unter den Herausforderungen sowie Chancen der Digitalisierung. 

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In den 50ern bis in die 70er, fast noch bis in die 80er hinein, schlüpften Führungskräfte in die Rolle eines Patrons. Starke Charaktere waren gefragt, die den Mitarbeitern eine geschützte Arbeitsumgebung schufen und die komplette Verantwortung übernahmen. Dann kam der Trend des kennzahlengesteuerten Modells, das auch heute noch weit verbreitet ist. Die Erreichung des Ziels ist der Mittelpunkt des Arbeitens. Effizienzoptimierung, minimale Kosten und höchstmöglicher Profit - die Folge: Mitarbeiter stehen unter Leistungsdruck und Führungskraft sehen sich mit hohem Kontroll- und Verwaltungsaufwand konfrontiert.

Heute stehen wir an einem interessanten Wendepunkt: die iterativ testende Agilität, so beschrieb es Prof. Peter Kruse, bekannter Wissenschaftler, Berater und Querdenker der Organisationspsychologie. Das Konzept steht u.a. für Lernen aus Feedbackschleifen, für ständige Anpassung und Innovation, für Reaktion auf veränderte Anforderungen und für Verabschiedung von alten Denkmustern, die langfristiges Steuern und Regeln vorgeben. "Navigieren auf Sicht" nannte es Peter Kruse auch, oder Navigation auf kurzer Distanz, wie es in der Überschrift steht.

Das bedeutet, dass sich die Anforderungen an Führungskräfte in Zeiten der Digitalisierung gewandelt haben und Digital Leader auf neue Führungskonzepte zurückgreifen müssen.

"Ich allein gegen den Rest der Welt - das funktioniert nicht mehr."
Peter Kruse
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Eine der größten Herausforderung der Digitalisierung ist die schnelle Veränderung der Marktanforderungen. Schnelles Reagieren ist gefragt und Entscheidungen müssen getroffen werden, auch wenn nicht genügend Informationen vorliegen. Dabei reicht die Expertise einer einzelnen Person oft nicht aus, um alle neuen Themenfelder gut bewerten zu können. Das heißt, der Digital Leader muss auf die Fähigkeiten seines Teams zurückgreifen.

Laut der Studie "Digital Leader - Leadership im digitalen Zeitalter" (2015) der Crisp Research AG ist der entscheidende Faktor, um in der Digitalisierung erfolgreich zu sein, die Befähigung der Mitarbeiter.

"Gute Führung bedeutet, nicht sich selbst, sondern sein Team zu befähigen."
John C. Maxwell, Leadership-Experte

Was bedeutet das konkret? Was können Sie tun, um sich als Digital Leader zu behaupten?

Mitarbeiterbefähigung. 
Schaffen Sie eine Umgebung, in der Mitarbeiter sich entwicklen können. Eine der wichtigsten Säulen, um das Unternehmen für die Digitalisierung zu wappnen, ist ein Aus- und Weiterbildungskonzept für Mitarbeiter. Sie als Einzelperson können nicht alles wissen. Ermöglichen Sie Weiterbildung für Ihre Mitarbeiter, sodass Sie auf Ihre Expertise zurückgreifen können oder holen Sie sich Experten ins Team.
Der nächste Schritt in diesem Zusammenhang: Lassen Sie los und vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern. Übergeben Sie Ihnen Verantwortung. 

Veränderung statt Stabilität.
Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und stehen Sie für Veränderungen. Zeigen Sie Innovationsgeist und Begeisterung für neue Techniken. 
Seien Sie auf der anderen Seite bereit für Veränderungen im Team, setzen Sie auf Agilität und kurze Planungszyklen. So können Sie Ihre Arbeit stets veränderten Marktanforderungen anpassen.

Visionen und konkrete Ziele.
Schaffen Sie mit Ihren Mitarbeitern eine gemeinsame Vision, ein gemeinsames Zielbild, welches den Sinn und Nutzen der gemeinsamen Arbeit unterstreicht. Leiten Sie aus dieser Vision konkrete Ziele ab und setzen Sie einen Fokus. Nur präzise formulierte Zielsetzungen führen auch tatsächlich zu Ergebnissen.

Motivation.
Psychologisch definiert, entsteht Motivation aus der Differenz zwischen den gewünschten Zielen und der wahrgenommenen Situation. Die gewünschten Ziele hatten wir bereits unter dem vorangegangenen Punkt. Fehlt noch die wahrgenommene Situation: Diskutieren Sie mit Ihren Mitarbeitern, wo sie als Team stehen, geben Sie Ihren Mitarbeitern Rückmeldung und erkennen Sie deren Leistungen an. 

Digitale Tools richtig nutzen.
Mittlerweile finden viele Prozesse mithilfe digitaler Tools statt, auch die Zusammenarbeit und Vernetzung.  Als digitale Führungskraft steht es in Ihrer Verantwortung digitale Tools richtig einzusetzen. Entwicklen Sie mit Ihren Mitarbeitern klare Regeln im Umgang mit den Tools und achten Sie auf deren Einhaltung.